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Der gewissenlose Mörder Hasse Karlsson

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Der gewissenlose Mörder Hasse Karlsson enthüllt die entsetzliche Wahrheit, wie die Frau über der Eisenbahnbrücke zu Tode gekommen ist
Ein Kriminalstück von Henning Mankell

Mankell ist für Krimifans nicht allein durch die Wallander-Krimis ein bekannter Name. Das Kriminalstück über Hasse und Schwalbe weidet sich nicht an blutrünstigen Schilderungen von Morden, sondern geht der Frage nach, warum man Dinge tut, die man eigentlich nicht will.
Hasse kehrt nach 36 Jahren wieder nach Hause zurück, um die Kluft zur Mutter, die im Sterben liegt, zu überwinden. Er erinnert sich an die Geschehnisse seiner Kindheit, die zur Entfremdung geführt haben. Rache gehörte zu Schwalbes Welt, der sich Hasse nicht verschloss.
Anstrengende Proben liegen hinter uns. Bevor unsere Abiturienten hinter ihren Prüfungsheftern verschwinden, möchten wir unsere Bearbeitung des Stückes zur Aufführung bringen.

podium rhs

PREMIERE AM 17.04.2018 I Aula der RHS

Hasse Karlsson I jung – Moritz Schönbrodt
Hasse Karlsson I Erzähler – Sebastian Schumacher
Schwalbe – Marlene Pietsch
Hasses Mutter – Iris Riede
Die alte Pferdehändlerin – Elisabeth Reschitow
Janine – Freya Knauer
Aurelia – Brit Hantusch

Regie – Evelyn Kirsche
Ton / Licht – Justus Geuther

Zur Premiere am 17.04.2018

„podium rhs“ hat sich schon an vielem ausprobiert: Klassiker, Jugendliteratur. Ein Kriminalstück war, sieht man mal von Dürrenmatts „Besuch der alten Dame“ ab, noch nicht dabei. Also, warum nicht einmal einen Krimi?
„Der gewissenlose Mörder Hasse Karlsson enthüllt die entsetzliche Wahrheit, wie die Frau über der Eisenbahnbrücke zu Tode gekommen ist“ von Henning Mankell erfüllt alle Voraussetzungen dafür und auch wieder nicht. Mord ja, vielleicht, nein.
Hasse Karlsson (Sebastian Schumacher) besucht nach 26 Jahren Hasse Karlsson (Moritz Schönbrodt). Es ist eine Reise in die Vergangenheit, zu sich selbst. Hasse wächst in einem kleinen schwedischen Dorf auf, es ist, wie in diesen Regionen nicht anders zu erwarten, dunkel und kalt. Das Ende der Welt. Aber eben auch kalkulierbar, man kennt sich. Man lebt und stirbt. Und eben dieser Kreislauf bringt Veränderung, vor allem für Hasse. Der Oberförster ist gestorben und der Posten wird neu besetzt. Und damit tritt Schwalbe in Hasses Leben, im Original Sohn des Försters, auf der Bühne wird er zur Tochter (Marlene Pietsch). Und die ist anders, nicht nur, dass sie in einem größeren Haus als Hasse wohnt, sie scheint außer der kalten Dorfwelt des schwedischen Nordens schon dunklere Seiten des Lebens gesehen zu haben. Beide kommen sich näher, aber auch wieder nicht. Hasse kann mit Schwalbes Prophezeiung „Wir werden Schrecken verbreiten“ nicht viel anfangen, einem 13-Jährigen brummt angesichts solch einer Drohung eher der Kopf.

Aber es bleibt nicht dabei, Grenzen werden angerissen, überschritten. Das hat nichts mehr mit Kinderstreichen zu tun, sondern soll Angst machen: Die alte Pelzhändlerin (Elisabeth Reschitow) erschrickt angesichts eines um Luft ringenden Lasses fast zu Tode, alles Spaß, man will die Ärmste nur leiden sehen. Der armen Janine (Freya Knauer), die nach einer missglückten Operation mit verlorener Nase schon genug gestraft ist, setzen die beiden einen Ameisenhaufen in ihre Wohnung und streichen die Johannisbeersträuche an. Warum? Weil sie es können oder weil Schwalbe es will. Hasse hinterfragt, wenn auch zögernd: „Warum tut man Dinge, die man nicht tun will?“, ohne eine Antwort darauf zu finden.
Die arme Aurelia (Brit Hantusch), auf der Suche nach Gott, mit dem sie gern einmal einen Kaffee trinken möchte, hatte im Leben vor Schwalbe ihre Ruhe, jeder kannte sie, jeder wusste, dass sie anders tickt. Sie ist für Schwalbe das gefundene Opfer, noch willenloser, noch manipulierbarer als Hasse. Schwalbe treibt sie auf die Eisenbahnbrücke, sie solle dort auf ihren Gott warten. Am nächsten Morgen wird Aurelia tot aufgefunden, erfroren.
Schwalbe verlässt das schwedische Dorf, Hasse bleibt. Noch. Er fühlt sich schuldig, gegenüber seinen Eltern, gegenüber Aurelia. Sich selbst gegenüber. Die alte Pelzhändlerin erpresst ihn, will ihn am Tage von Aurelias Tod an der Eisenbahnbrücke gesehen haben und droht nun, zur Polizei zu gehen. Hasse plündert die Ersparnisse der Mutter, um Ruhe zu finden. Die sich nicht einstellen kann, denn neue Löcher werden aufgerissen, das Ersparte sollte der Mutter ihren Traum erfüllen, noch einmal das große, weite Meer sehen zu können. Hasse verstrickt sich, am Ende bleibt nur die Flucht.

Aber auch 26 Jahre später, 26 Jahre nach seinem Weggang wird er davon nicht erlöst. Es bleibt die Frage nach dem Warum, warum tut man etwas, was man eigentlich gar nicht will. Und die Last, mit einer falschen Entscheidung leben zu müssen.
Insgesamt nachdenkliche 90 Minuten. Das reduzierte Bühnenbild lenkt nicht ab, die Schauspieler überzeugen mit großer Textsicherheit, können ihre Rollen somit verinnerlichen und auf die Bühne bringen. Der Stoff und das Stück an sich hätten dafür mehr Zuspruch verdient.

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