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Kun-Oper zu Gast an der RHS

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Wenngleich die Peking-Oper wohl die populärste aller chinesischen Bühnenkunstformen ist, so ist sie doch nicht älteste: die Kun-Oper, oder einfach Kunqu, entstanden in der kleinen Stadt Kunshan zwischen Shanghai und Suzhou, hat ihre Ursprünge im 14. Jahrhundert und verwendet bis heute regionale Dialekte der Provinzen Zhejiang und Jiangsu. Intonation, Inhalt, Gestik und Kostüme gelten Kritikern wie Publikum als weitaus ästhetischer und filigraner als bei der Peking-Oper. Die Kunqu-Kompanie der Stadt Suzhou präsentierte am 10.11.2017 in der Aula der RHS eine Auswahl opulenter Opernklassiker, darunter Auszüge aus dem Werk "牡丹亭 - Der Päonien-Pavillon" des chinesischen Dramatikers Tang Xianzu, einem Zeitgenossen Shakespeares.
Dieses Stück ist abendfüllend, eher sogar tagefüllend, sodass es heute nur noch in Ausschnitten aufgeführt wird. Die Originalfassung dauert fast 19 Stunden. Insgesamt treten in dem 55 Szenen und über 200 Arien umfassenden Werk mehr als 160 Charaktere auf, die von 20 bis 30 Schauspielern dargestellt werden. Für unsere Schüler wurde es auf 90 Minuten heruntergebrochen und auch die hatten es noch in sich. Ungewohnte Musik, ungewohnter Sprechgesang, der teilweise Rap-Charakter trug, eine Herausforderung an die RHS-Schülerschaft.

Die Handlung dagegen eine ganz simple: eine romantische Liebesgeschichte mit Happy End. Die schöne Du Liniang verliebt sich in einem ihrer Träume in den jungen Gelehrten Liu Mengmei. Kann diesen aber in der Realität nicht finden und stirbt mit bzw. an gebrochenem Herzen. Aber auch die Unterwelt hat eine Seele und ermöglicht ihr, als Geist auf die Erde zurückzukehren, um sich weiter auf die Liebessuche zu begeben. Und da ist die chinesische Oper genauso trivial wie manch romantische Geschichte, das Paar findet sich, vereinigt sich und muss bis zur Vollendung ihres Glücks manch Abenteuer bestehen. Unter anderem skeptische Eltern überzeugen. Das dürfte dem ein oder anderen dann doch bekannt vorkommen.
Der erste Kontakt mit der fremden Kultur, für den ein oder anderen ein befremdlicher. Sprache und Musik unterscheiden sich eben doch sehr von den Hörgewohnheiten des klassischen Europäers. Die Themen lassen sich aber genauso bei Shakespeare & Co. wiederfinden. Und wer die Welt verstehen will, muss sich eben auch auf andere Kulturen einlassen (können). Und das haben die 90 Minuten ermöglicht.

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