Zu Gast bei Schiller

Wandertag für die 11er. Gut, es ist nicht mehr die Zeit der von Mutter gepackten Rucksäcke mit Butterbroten und Teeflaschen. Heute reist der Schüler, wenn überhaupt mit Tasche, ausgestattet mit Gucci & Co. und selbstaufgebrühter Tee ist auch Schnee von gestern. Wenigstens Club-Mate sollte es schon sein.

Somit gut vorbereitet starteten unsere 11er Kurse gen Weimar, natürlich im Bus. Gut so, denn wie schrieb die Zeit so treffend: "Und dann gibt es noch Weimar. Die Stadt von Goethe und Schiller liegt genau in der Mitte zwischen Jena und Erfurt. Sie, beziehungsweise ihre Einwohner, werden eigentlich von ihren Nachbarn als ziemlich borniert empfunden. Das hat mit dem kulturellen Erbe von Goethe, Schiller und Co. sowie den Stätten der Hochkultur wie dem Deutschen Nationaltheater und dem Bauhaus zu tun. Darauf bildet sich die Weimarer Elite ziemlich viel ein und hält die Erfurter und Jenaer eigentlich für Banausen. Diese wiederum belächeln Aktionen der Weimarer Kulturmenschen wie etwa deren ziemlich skurrilen Protest gegen die weitgehende Abkoppelung der Stadt vom ICE-Netz vor etwas mehr als einem Jahr. Da stellten sich dann Politik- und Kultur-Verantwortliche der Stadt auf den Bahnsteig und ließen einen ICE an sich vorbeirauschen. Ein anderes Mal gaben ein paar Musik-Professoren ein Protest-Kammerkonzert im Bahnhofsgebäude. Die Bahn zeigte sich von diesen fein ziselierten Aktionen völlig unbeeindruckt. Aber das mag auch an dem ziemlich unansehnlichen Bahnhof von Weimar liegen, auf dessen Bahnsteigen große Schilder mit dem Schriftzug “Kulturbahnhof” stehen. Das kann wirklich nur ironisch gemeint sein."

Nun ja, hat schon etwas, dieses Städtchen an der Ilm, vor allem natürlich Goethe und Schiller an allen Ecken. Wo anfangen, wo aufhören? In der Herzogin-Anna-Amalia-Bibliothek, 2007 nach dem verheerenden Brand wieder eröffnet, in Museumspantoffeln, "Anna aus Berlin" lauschend, durch den Rokokosaal schlürfen zu dürfen, beeindruckt. Auch unsere Schüler, bemerkten sie doch, dass es Bibliotheken gibt, aus denen man keine Bücher ausleihen kann, lernten außerdem, dass man in Museen nicht isst und trinkt. Schwierig für unsere Schülerschaft, die es sonst gewohnt ist, jederzeit zur Wasserflasche greifen zu können.

Weiter durch den "Kosmos Weimar", wie die Weimaraner ihr Städtchen gern selbst beschrieben: Stadtschloss, Ilmpark, Herderkirche, Jakobsfriedhof, Lucas-Cranach-Haus, Hotel Elephant, Nationaltheater, Bauhausgeschichte, und natürlich immer präsent: die beiden Helden der Stadt. Stadtführungen in Weimar sind einfach zu planen: Hält man einmal den Stadtplan verkehrt rum, kein Problem, Irrwege verlängern die Tour nur unwesentlich. Man kann sich einfach nicht verlaufen. Und so findet der Weimar-Besucher auch die Häuser der beiden Literaten ohne große Probleme, liegen sie doch nur ein paar Meter voneinander entfernt. Und trotzdem trennen beide Welten. Deutlich sichtbar im schlicht gehaltenen Schiller-Wohnhaus, letzte Station im Weltkulturerbe und gleichzeitig die Stunde der Wahrheit: Kann ich die Fragen der Museumsführerin beantworten, z.B. was es mit Schillers Gebeinen auf sich hat. Wenn nicht, kehre man schleunigst zurück zum Jakobsfriedhof.

Das klassische Weimar in sechs Stunden - kaum zu schaffen, für einen kurzes literarisches Intermezzo reicht es allemal. Und als wollte die Stadt ihre Besucher gar nicht mehr entlassen, stehen die Verkehrsampeln unendlich lang auf Rot.