Irgendetwas fehlt

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Irgendetwas fehlt Das Erste und Offensichtlichste, das mir persönlich fehlte, war die Motivation. Ich meine, früher war das ja normal, aber wer geht heutzutage schon Samstags in die Schule? Noch dazu freiwillig? Dennoch habe ich mich dazu durchgerungen, mal kurz vorbei zu schauen. Hildebrandfest klingt ja an sich mehr nach Spaß als nach Arbeit.

Schon von weitem hörte ich die mikroverstärkte Stimme einer Live-Sängerin und dachte, Okay, das klingt schon mal sehr gut. Aber falsch! Denn trotz den bewundernswerten musikalischen Beiträgen unserer A-Klassenschüler kam zu keinem Zeitpunkt richtige Stimmung auf. Der solidarische Beifall von Freunden und Eltern reichte nicht aus, um das allgemeine Gemurmel und Geschwatze zu übertönen. Selbst bei dem Partylied „I love Rock 'n' Roll“ (1975) fuchtelte der Gitarrist vergeblich mit den Armen in der Luft herum – das Publikum weigerte sich standhaft, mit zu klatschen.

Ein Publikum, das übrigens gefühlt mehr aus Lehrern als aus Schülern bestand. Und auch zahlenmäßig eine eher überschaubare Menschenmenge. Vielleicht ist das Grund gewesen, warum partout keiner mitklatschen wollte. Aber andererseits müsste das Lied doch zu den Jugendhits unserer Lehrer gehört haben. Warum haben die dann nicht mal richtig gerockt?

Jedenfalls tat mir besagter Gitarrist in diesem Augenblick unglaublich leid und mir kam nicht zum ersten Mal der Gedanke, dass bei uns irgendetwas falsch läuft. Irgendetwas ganz Grundsätzliches fehlt. Ich möchte es nicht den amerikanischen Enthusiasmus nennen, den Highschool-Schüler, diversen amerikanischen Highschool-Serien zu Folge, für sämtliche schulischen Veranstaltungen hegen. Aber im Grunde trifft es das ganz gut.

Die Schulleitung und die vielen fleißigen Helfer haben sich große Mühe gegeben, ein schönes Fest zu organisieren und zu gestalten. Ich würde sagen, mit mäßigem Erfolg. Das Fest ist nicht nur für Lehrer und Eltern gedacht, sondern auch oder gerade für Schüler. Und was haben wir daraus gemacht? Ich persönlich habe mich phasenweise recht intensiv gelangweilt und bin auch nur wegen meinen Freunden länger dageblieben. Das für sich ist schon ziemlich traurig, nicht wahr? Noch trauriger ist es aber, dass es genug Schüler gab, die noch nicht einmal gekommen sind. Warum auch, es ist doch Samstag und es wird eh öde werden.

Tatsächlich ist diese Null-Bock-Einstellung typisch für die Schüler dieser Schule, egal um was geht. Sie sind einfach nicht mehr begeisterungsfähig.

Aber woran liegt das? Schule ist für uns zu etwas geworden, wo man seine Zeit absitzt und/oder arbeitet, nix wo man seine Freizeit verbringt, nix wo man Spaß hat. Es klingelt, die letzte Stunde ist vorbei? Super! Bloß weg hier! Schule ist zum Feind, zum absoluten Gegenentwurf von Freizeit und Freude geworden. Aber das ist nicht das Einzige. Wir sind auch eine Generation von Einzelkämpfern. Natürlich gibt es Freunde und Cliquen, aber man empfindet kein Gemeinschaftsgefühl mehr mit den anderen Schülern.

Wir identifizieren uns nicht über unsere Schule. Wir sind nicht stolz darauf, sagen zu können, dass wir Hildebrandianer sind.

Aber das Schlimmste ist, dass das niemandem etwas auszumachen scheint. Wir haben tolle Musiker, aber was interessieren sich die anderen Schüler für die Auftritte der A-Klassen?

Wir haben Sportteams, eine Schülerzeitung, einen Schulclub, aber wen interessiert das? Lehrer und Eltern – naja hmm … Eigentlich sind das alles Dinge für uns Schüler, wir müssen sie nur wahrnehmen und uns mal damit auseinandersetzen. Wir müssen uns auch mal für Dinge begeistern, die etwas mit Schule zu tun haben. Das kann doch nicht so schwer sehr sein.

Oder seid ihr alle so bequem geworden, dass nicht einmal das euch interessiert!?

Julius

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