MAZEL TOV! - SONDERPREIS DER LEO-TREPP-STIFTUNG

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Es ist Mittwochmorgen, 5:30 Uhr. Der Wecker klingelt und aus Gewohnheit werfe ich einen ersten Blick ins E-Mail-Postfach. Dort findet sich eine Nachricht von Gunda Trepp, der Initiatorin der Leo-Trepp-Stiftung, höchstpersönlich. Im Anhang der E-Mail verbirgt sich die offizielle Einladung zur feierlichen Preisverleihung nach Dresden – mit der Nachricht, dass wir einen Sonderpreis gewonnen haben! Mazel tov! 
Also herzlichen Glückwunsch an die 14 Schülerinnen und Schüler aus dem evangelischen Religionsunterricht der 9. Klassen. Sie haben sich im Frühjahr dieses Jahres an vielen Freitagnachmittagen in der 7. und 8. Stunde zum anspruchsvollen Wettbewerbsthema „Ein Volk. Viele Gesichter. – Jüdische Diversität und Selbstbestimmung“ viele Gedanken und eine Menge Arbeit gemacht.

Die vielen Stunden an Aufwand, Energie und Kreativität sollten sich nun auf ganz besondere Weise auszahlen: Auf Einladung des Freistaates Sachsen ging es für uns direkt zur Preisverleihung. Mit dem Eintritt in den Plenarsaal des Sächsischen Landtags zeigte sich sofort die feierliche Atmosphäre. Zugleich war es ein zutiefst beeindruckendes Gefühl, genau dort zu stehen und geehrt zu werden, wo sonst über die Zukunft unseres Landes debattiert wird – an einem zentralen Ort unserer Demokratie.

Apropos Freiheit: Genau dieser Wert stand auch im Mittelpunkt unserer Arbeit. Denn wer sich mit der jüdischen Geschichte befasst, merkt schnell, was Unfreiheit bedeutet – und wie wichtig es ist, Menschenwürde, Freiheit, und Selbstbestimmung aktiv zu schützen.

Aber was genau haben die Jugendlichen eigentlich alles auf die Beine gestellt, um unser Wettbewerbsprojekt „Jüdisches Leben hören, sehen, schmecken“ mit Leben zu füllen?

Dahinter stecken drei ganz konkrete Zugänge:

Wir haben gehört, wie die Musik verfemter jüdischer Komponisten mit enger Verbindung zu Sachsen – wie Franz Schreker, Alexandre Tansman, Marc Lavry oder Trautmann – klingt, und haben ihr Wirken sowie ihre tragischen Schicksale während der NS-Zeit intensiv analysiert. Als Schule mit vertiefter musischer Ausbildung ging uns diese Auseinandersetzung so nahe, dass der Schüler Theo Schulze als kreativen Beitrag sogar ein eigenes Musikstück mit dem Titel „In der Nacht“ komponierte und einsang.

Wir haben gesehen, wie tief jüdisches Leben in der europäischen Geschichte verwurzelt ist und welche Schicksale dahinterstehen. Die Schülerinnen und Schüler machten historische Entwicklungen sichtbar, setzten sich kritisch mit Antisemitismus auseinander und hielten das Ganze in Steckbriefen sowie einem schulinternen Podcast über jüdische Persönlichkeiten fest.

Wir haben geschmeckt, wie traditionelles jüdisches Gebäck schmeckt. Dahinter stand weit mehr als bloßes Ausprobieren: Sich mit jüdischen Speisevorschriften zu beschäftigen, bedeutet, religiöse und kulturelle Eigenheiten anzuerkennen und schafft auf diese Weise eine Grundlage für ein wertschätzendes Miteinander. In diesem Zuge wurden die Jugendlichen selbst in der Küche aktiv, erstellten anschauliche Back-Tutorials und machten diesen Teil der jüdischen Kultur im wahrsten Sinne des Wortes geschmacklich erlebbar.

Vor allem Letzteres, so betonte Gunda Trepp bei der feierlichen Übergabe, habe die Jury letztlich überzeugt, uns auszuzeichnen. Bedenkt man, dass insgesamt rund 22 Projekte bundesweit eingereicht wurden – größtenteils von Schülerinnen und Schülern aus der Oberstufe und in klassischen geschichtlichen Profilen –, ist dieser Sonderpreis für unsere Religionsschüler aus der 9. Klasse eine tolle Sache!

Aber was heißt hier eigentlich „tolle Sache“? Es bedeutet vor allem, dass junge Menschen nicht wegschauen, sondern aktiv werden. Aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen wie ein spürbar steigender Antisemitismus und andere Formen von Menschenfeindlichkeit zeigen uns regelmäßig auf, wie wichtig es heute ist, Haltung zu zeigen.

Durch die Projektarbeit ist den Jugendlichen bewusst geworden, dass jüdische Kultur ein fundamentaler Teil unserer deutschen und europäischen Identität war und ist. Dieser Sonderpreis bildet daher keinen Schlusspunkt, sondern einen Anstoß, sich weiter zu engagieren, um dem Anspruch der RHS, eine „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ zu sein, auch weiterhin gerecht zu werden.

Nach der aufregenden Preisverleihung ging es wieder nach Markkleeberg zurück – nicht ohne noch zuvor am Bahnhof zufällig unseren sächsischen Ministerpräsidenten Herrn Kretschmer zu treffen, der allen herzlichst zu ihrem Engagement gratulierte!

Robert Rabe

Lehrer für evangelische Religion und Geschichte an der Rudolf-Hildebrand-Schule, Gymnasium der Stadt Markkleeberg

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